Sächsischer Kinder- und Jugenddenkmalpreis 2023 geht in die Oberlausitz

10.09.2023, 12:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Auszubildende vom BSZ Bautzen überzeugen mit Arbeiten zur Gedenkstätte Bautzen II

Staatsminister Thomas Schmidt hat heute (10. September 2023) auf Schloss Wolkenburg bei der Feierstunde zum Tag des offenen Denkmals den Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis verliehen. Die Auszeichnung geht in diesem Jahr an 33 Auszubildende des Beruflichen Schulzentrums Bautzen für ihre beiden Projekte »Demokratie ist (k)ein Spaziergang – Gedenkstätte Bautzen (Stasi Gefängnis Bautzen II)« sowie »Spuren – suchen – Erinnerungen – bewahren – Menschen – verstehen«. Damit hatten sie sich am Sächsischen Landesprogramm »PEGASUS – Schulen adoptieren Denkmale« beteiligt.

Die Preisträger – angehende Fischwirtinnen und Fischwirte – setzten sich in ihrem zweiten Lehrjahr intensiv mit der Gedenkstätte Bautzen II auseinander. Das frühere Stasi-Gefängnis befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Berufsschule. Zusammen mit der Projektleiterin Yvonne Fritsche und der Gedenkstätte als Projektpartner erforschten sie das Thema »DDR-Geschichte« bzw. »DDR-Unrecht«. Sie begaben sich auf Spurensuche von ehemaligen Inhaftierten und reflektierten die Ereignisse. So entstanden eine Biografieausstellung, eine Fotoschau und ein Theaterstück. Mit ihrer Arbeit haben die Auszubildenden einen besonders wertvollen Beitrag zur Vermittlung des kulturellen Erbes und speziell zur sächsischen Gedenkkultur geleistet, so das Urteil der Jury.

Staatsminister Thomas Schmidt: »Junge Menschen für unser historisches Erbe zu begeistern, ist nicht selbstverständlich. Es sind vor allem greifbare Erfahrungen, die sie in den Bann der Denkmalpflege ziehen. Über die Erforschung von DDR-Unrecht erlangten die Bautzener Schülerinnen und -schüler hier einen ganz besonderen Zugang zu einem nichtalltäglichen Denkmal. Solche Projekte stärken nicht nur die Sozialkompetenz von jungen Menschen. Sie fördern auch ihr Geschichtsbewusstsein und Demokratieverständnis. Von unseren diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträgern geht eine besondere Vorbildwirkung aus. Ich lade alle Schulen in Sachsen ein, sich inspirieren und anstecken zu lassen, am PEGASUS-Programm teilzunehmen und ein Denkmal zu adoptieren.«

Zuvor hob Staatsminister Schmidt beim heutigen Festakt zur Eröffnung des Denkmaltages in Wolkenburg hervor: »Beim Tag des offenen Denkmals merkt man erst so richtig, wie sehr die Menschen in Sachsen für ihre Denkmale brennen und wie sehr ihr Herz beim Betreten der alten Gemäuer höherschlägt. Auch ich kann mich nicht der Wirkung unserer über 100 000 sächsischen Kulturdenkmale entziehen.« Denkmale stiften Sinn und Identität, geben Halt und ziehen Besucher von Nah und Fern in ihren Bann, so Schmidt weiter. »Sie sind die größten und vielleicht eindrucksvollsten Zeugnisse unserer Geschichte. Der Freistaat Sachsen stellt für die Erhaltung und die Pflege der Denkmalschätze deshalb rund 58 Millionen Euro aus dem aktuellen Landeshaushalt zur Verfügung. Hinzu kommen weitere Mittel für den Denkmalschutz aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR.«

Alf Furkert, Sächsischer Landeskonservator, ergänzte: »Ich freue mich, dass in diesem Jahr ein Schloss mit einem kommunalen Eigentümer und engagierten Vereinen für die Eröffnung des Denkmaltages ausgewählt wurde. Schlösser, Burgen und Herrenhäuser bilden eine beeindruckende wie gefährdete Denkmalgattung. Mit ihren Wirtschaftsgebäuden und Gärten zählen sie nach wie vor zu den prägenden und herausragenden Bauten unserer vielfältigen Denkmallandschaft. Deren Bewahrung stellt für uns und die nachfolgende Generation eine anspruchsvolle Aufgabe dar.«

Gerd Härtig, Oberbürgermeister der Stadt Limbach-Oberfrohna, sagte: »Das Schloss Wolkenburg bildet zusammen mit dem Schlosspark und der Neuen Kirche ein kulturhistorisch einzigartiges Ensemble. Umso mehr freut es mich, dass dieser besondere Ort in unserer Stadt zum Austragungsort für die offizielle Eröffnungsveranstaltung zum 30. Tag des offenen Denkmals auserkoren wurde. Wir möchten mit unserer Beteiligung zum Tag des offenen Denkmals für die geschichtsträchtige und reiche Kulturlandschaft, in der es viel zu entdecken gibt, begeistern.«

Hintergrund:
Die Preisträger des Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreises werden aus den Teilnehmern des Sächsischen Landesprogramms »PEGASUS – Schulen adoptieren Denkmale« ausgewählt. Das Programm bietet Schulen die Möglichkeit, Denkmalschutz aktiv mitzugestalten und sich für das historische Erbe zu begeistern. Dafür »adoptieren« sächsische Kinder und Jugendliche Denkmale in ihrer Heimatregion. Sie untersuchen die Objekte, pflegen sie und präsentieren ihre Arbeiten anschließend der Öffentlichkeit.

Initiiert wird das Programm PEGASUS seit April 1995 vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus und vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen in Kooperation mit dem Sächsischen Staatsministerium für Regionalentwicklung, dem Landesamt für Archäologie Sachsen, dem Dresdner Amt für Kultur und Denkmalschutz sowie mit dem Forum für Baukultur Dresden.

PEGASUS versteht sich nicht als Wettbewerb, sondern als Förderprogramm, das offen ist für alle Lerngruppen. Prämiert werden die besten Ideen und Projekte, nicht die Ergebnisse. Für den Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis 2023 kamen insgesamt 26 Schulprojekte aus ganz Sachsen in Frage. Bisher haben mehr als 200 Schulen aller Schularten knapp 250 Denkmale in Sachsen erforscht. Schülerinnen und Schüler lüfteten die Geheimnisse ihrer Schulgebäude, von Monumenten, Villen, Friedhöfen bis hin zu Grabanlagen bedeutender Persönlichkeiten, Gärten, Parkanlagen und Schlössern. Sie dokumentierten ihre Ergebnisse in Ausstellungen, Publikationen, Kalendern und Chroniken. Am Tag des offenen Denkmals führen sie interessierten Bürgern ihre adoptierten Denkmale vor.


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Regionalentwicklung

Pressesprecher Frank Meyer
Telefon: +49 351 564 50024
E-Mail: medien@smr.sachsen.de
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