Halbzeit im Weißbuchprozess zur künftigen sächsischen Forschungspolitik

28.03.2023, 13:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Online-Fachtagung gibt Impulse für die sächsische Forschungslandschaft

Zwischen einer revolutionären Idee und ihrer Umsetzung als Anwendung im Alltag der Menschen liegt viel Forschung und Entwicklung. Mit dem Weißbuchprozess für die Forschung in öffentlichen Wissenschaftseinrichtungen widmet sich das Sächsische Wissenschaftsministerium den Rahmenbedingungen, die es dafür braucht.

In einer Online-Fachtagung haben jetzt Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft das Wechselspiel von Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung in Sachsen in den Blick genommen und Möglichkeiten diskutiert, wie beide Bereiche künftig noch besser zusammenwirken können und wie das forschungspolitisch unterstützt werden kann. Dabei wurden auch Ideen und Impulse aus anderen Bundesländern aufgenommen, die nun in die Entwicklung des Weißbuches einfließen.

Im Mittelpunkt des Austauschs stand die Frage, welche Hebel man nutzen kann, um die strikte Trennung zwischen Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung auch in der Art der Förderung aufzuheben.
Diskutiert wurden Fragen wie:
– Welche strukturellen Ansätze auf Organisationsebene sind denkbar?
– Wie können Förderinstrumente gestaltet werden, um neue Impulse für die Arbeit der Forschenden zu setzen und welche Erfahrungen gibt es dazu bereits?
– Gibt es Besonderheiten im Kontext von Geistes- und Sozialwissenschaften, die es zu beachten gilt?
– Welche spezifischen Herausforderungen kommen zum Tragen, wenn darüber hinaus interdisziplinäre Forschung die Zusammenarbeit prägt?

Am Ende des zweijährigen Prozesses wird ein »Weißbuch für die Forschung in öffentlichen Wissenschaftseinrichtungen im Freistaat Sachsen« stehen. Die Erkenntnisse der Fachveranstaltungen im Rahmen des Weißbuchprozesses sollen Ende des Jahres in Leitlinien zur Ausrichtung und Weiterentwicklung der sächsischen Forschungspolitik münden und veröffentlicht werden.

»Sachsen hat gute Voraussetzungen, um in den unterschiedlichsten Bereichen ein weiterhin international führender Wissenschaftsstandort zu sein. Von der Mikroelektronik über Biotechnologie bis hin zur Umweltforschung sind wir breit aufgestellt. Um die besten Rahmenbedingungen für die Forschenden herzustellen, treten wir aktiv mit der Wissenschaftsgemeinschaft auch außerhalb Sachsens in den Dialog. Unser Ziel ist es, der sächsischen Forschungspolitik mit dem entstehenden Weißbuch eine verlässliche Grundlage zu geben«, unterstreicht Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow das Ziel des Weißbuch-Prozesses.

Mit der kürzlich beschlossenen Ansiedlung zweier Großforschungszentren – des Deutschen Zentrums für Astrophysik in der sächsischen Lausitz und des »Center for the Transformation of Chemistry« im Mitteldeutschen Revier – stärkt die Staatsregierung bereits den regionalen Ausbau der sächsischen Forschungslandschaft. Beide Einrichtungen werden Grundlagenforschung und anwendungsorientierte Forschung unter einem Dach betreiben und dafür neue Ansätze entwickeln.

Professor Peter Seeberger, Gründungsdirektor des »Center for the Transformation of Chemistry« (CTC) am Standort Delitzsch im Mitteldeutschen Revier, hob die immense Hebelwirkung des Forschungszentrums für die Region, die Forschung und die Wirtschaft hervor: »Wir setzen auf eine bislang einzigartige Mischung aus Grundlagen- und anwendungsnaher Forschung in enger Zusammenarbeit mit den Hochschulen und der Industrie. Damit befördern wir die Transformation der chemischen Industrie in eine Kreislaufwirtschaft von der Idee bis hin zu Ausgründungen und Industrieanwendungen.«

Eine neue Zukunft für die Kohleregion in der sächsischen Lausitz sieht auch Professor Christian Stegmann, Mitinitiator des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA), das in Görlitz, Hoyerswerda und Umgebung entstehen wird. »Wo der Blick durch den Bergbau früher eher ins Erdinnere gerichtet war, werden wir künftig in den Himmel schauen. Doch das hat auch viel »irdisches« Potential«, so Stegmann. "Wir wollen in der Lausitz, im Zentrum Europas, ein nationales Forschungszentrum gründen, das ressourcensparende Digitalisierung vorantreibt, neue Technologien entwickelt, für Transfer sorgt und neue Perspektiven in der Region schafft. Die Lausitz bietet beste Voraussetzungen dafür.«

Hinweis an die Redaktionen:
Eine Zusammenfassung der Tagungsinhalte sowie die Eröffnungsrede zur Weißbuch-Konferenz von Prof. Christoph Markschies, dem Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, wird auf der Projektwebseite zum Weißbuchprozess zur Verfügung gestellt werden.


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus

Pressesprecher Falk Lange
Telefon: +49 351 564 60200
E-Mail: falk.lange@smwk.sachsen.de
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