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Deutsche Fotothek und Getty Research Institute erhalten fotografischen Nachlass von Fritz Block

08.12.2022, 18:56 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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Fritz Block: Ellobium aurismidae (Midasohr), Röntgenaufnahme, 1931 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

Fritz Block: Ellobium aurismidae (Midasohr), Röntgenaufnahme, 1931 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

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Fritz Block: Hamburg, Turbinendampfer Europa im Schwimmdock der Werft Blohm & Voss, 1929 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

Fritz Block: Hamburg, Turbinendampfer Europa im Schwimmdock der Werft Blohm & Voss, 1929 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

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Fritz Block: Hochofen-Ladebühne, Ford-Fabrik in Dearborn, Detroit, 1931 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

Fritz Block: Hochofen-Ladebühne, Ford-Fabrik in Dearborn, Detroit, 1931 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

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Fritz Block: New York, Zwei Jungen in Harlem, 1931 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

Fritz Block: New York, Zwei Jungen in Harlem, 1931 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

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Fritz Block: Paris, Blick vom Kaufhaus Galeries Lafayette auf den Boulevard Haussmann, 1930 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

Fritz Block: Paris, Blick vom Kaufhaus Galeries Lafayette auf den Boulevard Haussmann, 1930 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

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Fritz Block: Hamburg, Fischer am St. Pauli-Fischmarkt, 1931 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

Fritz Block: Hamburg, Fischer am St. Pauli-Fischmarkt, 1931 (© Deutsche Fotothek / Fritz Block)

Die Deutsche Fotothek der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) hat 1.500 Vintage Prints, 5.000 Negative sowie zahlreiche Druckbelege und Archivalien des deutsch-jüdischen Architekten und Fotografen Dr. Fritz Block (1889–1955) als Schenkung des Manfred Heiting Trust (MHT), Los Angeles, erhalten. Die Sach- und Reportagefotografien wurden zwischen 1929 und 1938 in Deutschland sowie auf ausgedehnten Reisen aufgenommen, u.a. während einer mehrwöchigen USA-Rundfahrt (1931) und eines Zeppelin-Flugs nach Südamerika (1933).

Weitere rund 6.000 Color-Diapositive, die nach der Emigration Blocks in die USA entstanden sind, hat der MHT dem Getty Research Institute (GRI), Los Angeles, geschenkt. Die Aufnahmen stellen den einzigen vollständigen Satz aller zwischen 1943 und 1954 in Los Angeles von Block produzierten und professionell vertriebenen Farbdiaserien dar, darunter frühe Farbaufnahmen von Bauten der kalifornischen Architekturmoderne.

Der über Jahrzehnte in Privatbesitz befindliche fotografische Nachlass Fritz Blocks konnte nun einschließlich Nutzungsrechten durch die Manfred Heiting Stiftung von den Erben erworben werden. Ziel des bedeutenden deutsch-amerikanischen Sammlers und Förderers der Fotografie war, den Nachlass möglichst geschlossen zu erhalten, geeigneten Institutionen zur weiteren Erschließung zu übereignen und damit der fotogeschichtlichen Forschung dauerhaft zugänglich zu machen.

Dr. Jens Bove, Leiter der Deutschen Fotothek an der SLUB Dresden: »Wir freuen uns ungemein über die großzügige Schenkung von Manfred Heiting. Der Nachlass Fritz Block ist eine substantielle Erweiterung unseres ‚Archivs der Fotografen.‘ Die Deutsche Fotothek und das Getty Research Institute werden den Zugang zum fotografischen Gesamtwerk von Fritz Block gemeinsam koordinieren und die Sammlung im Laufe der nächsten Monate katalogisieren. Die ersten 300 Fotografien sind bereits online in unserer Datenbank zu sehen.«

Fritz Block – Architekt mit Kamera
Fritz Block wurde 1889 in Warburg geboren. Von 1908 bis 1913 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule in Dresden, wo er 1915 im Bereich Bauingenieurwesen promovierte. In den folgenden vier Jahren arbeitete Block im Planungs- und Bauamt der Stadt Königsberg, bevor er nach Hamburg wechselte, wo er 1921 zusammen mit Ernst Hochfeld (1890-1985) das Architekturbüro Dr. Block und Hochfeld gründete. Als Architekt gehörte Block, aktives Mitglied im Bund Deutscher Architekten und im Deutschen Werkbund, zu den engagierten Vertretern des Neuen Bauens in Deutschland. Ab 1929 brachte Block den Impuls der Moderne auch als Fotograf zum Ausdruck. Aus seiner Leidenschaft für die Fotografie entwickelte sich ein zweites berufliches Standbein. Seine Aufnahmen von Technik, Natur und Menschen im Stil der Neuen Sachlichkeit und des Neuen Sehens fanden früh Anklang in deutschen Architekturzeitschriften, in der Wochenbeilage des Hamburger Anzeigers und in anderen illustrierten Zeitschriften. Block lieferte bildjournalistische Städte- und Reisereportagen aus Paris, Marseille oder Nordafrika. Von September bis Oktober 1931 unternahm er seine erste ausgedehnte Reise durch die Vereinigten Staaten, auf der er insgesamt fast 4.000 Aufnahmen mit seiner Leica machte. 1932 erwarb der Unternehmer und Sammler Kurt Kirchbach aus der »Internationalen Fotoausstellung« in Hamburg einige von Blocks Werken für seine Sammlung zeitgenössischer Avantgardefotografie.

Ab 1933 war Fritz Block als Jude gezwungen, seine architekturpublizistische und fotojournalistische Tätigkeit zu beenden und seine Architektentätigkeit auf Umbauten zu beschränken. Dennoch konnte er mit seiner Kamera bis 1938 ausgiebig reisen. Nachdem er vorübergehend für einige Tage im Konzentrationslager Oranienburg inhaftiert worden war, gelang ihm im November 1938 die Emigration nach Los Angeles. Da er in Kalifornien keine Lizenz zur Eröffnung eines Architekturbüros erhielt, verlagerte Block seinen beruflichen Schwerpunkt auf die Farbfotografie, kurz nachdem Kodachrome-Dias auf den Markt gekommen waren. In den frühen 1940er Jahren produzierte er eine thematische Farbdiaserie für den Kunstunterricht in Schulen und Museen, gefolgt von der ersten Farbdiaserie über den architektonischen Modernismus in Kalifornien. 1943 gründete er die Dr. Block Color Productions, um seine insgesamt 27 Diaserien über Architektur, Kunst, Skulptur, Design, Technik und Natur zu vertreiben. Fritz Block starb am 23. Januar 1955 in Los Angeles.

Das lange Zeit wenig bekannte fotografische Œuvre Fritz Blocks ist mittlerweile gründlich erforscht. 2018 erschien Roland Jaegers opulente Monografie »Foto-Auge Fritz Block. Neue Fotografie und moderne Farbdias« (Scheidegger & Spiess, Zürich). Das Buch zeigt den Werdegang Blocks vom Architekten zum Fotografen, von der Kleinbild-Fotografie des Neuen Sehens der 1920er Jahre in Europa zur Kodakchrome-Farbfotografie als Lehrmittel in den USA der 1950er Jahre, von der jüdisch-deutschen Avantgardekultur bis hin zur Exilkultur Amerikas.

Über die Deutsche Fotothek
Gegründet 1924, bietet die Deutsche Fotothek als kulturgeschichtliches Universalarchiv mit einem Gesamtbestand von über sechs Millionen Bilddokumenten ein vielfältiges Themenspektrum mit Sammelschwerpunkten in den Bereichen Fotografiegeschichte, Kunst, Architektur und Technikgeschichte. Die bedeutendste Aufgabe der Deutschen Fotothek besteht in der Erhaltung und Aktivierung fotografischer Werke und Nachlässe. In ihrem »Archiv der Fotografen« präsentiert die Fotothek die Werke bedeutender deutscher oder in Deutschland arbeitender Fotografinnen und Fotografen. In der Online-Bilddatenbank www.deutschefotothek.de sind derzeit rund 2.230.000 Bilder recherchierbar.


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