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Forschen im Exil – Leipziger Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) unterstützt Partnerinnen und Partner in der Ukraine

23.03.2022, 14:34 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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GWZO-Direktorin Frau Prof. Maren Röger im Gespräch mit Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (© @SMWK)

GWZO-Direktorin Frau Prof. Maren Röger im Gespräch mit Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (© @SMWK)

Der Krieg in der Ukraine stellt auch die sächsischen Forschungseinrichtungen vor große Herausforderungen. Viele Projekte mit international aufgestellten Teams sind seit dem Einmarsch russischer Truppen auf Eis gelegt. Ukrainische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begannen auszureisen. Mehreren Partnern bietet das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa GWZO bereits die Möglichkeit über Gast-Aufenthalte und Stipendien in Sachsen weiter zu arbeiten. Dabei kümmern sich die GWZO-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter z.T. auch um Unterbringung und helfen bei Behördengängen. Bislang werden die Kosten dafür aus dem eigenen Haushalt des GWZO gedeckt. Perspektivisch hat das aber Grenzen.

Kooperationsvorhaben in der Ukraine, Russland und Deutschland und damit in diesen beschäftigten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist die Arbeitsgrundlage entzogen.
Denn das GWZO ist aufgrund seines Forschungsauftrages auf den Zugang zu Archiven und Bibliotheken angewiesen. Der Krieg macht das auf absehbare Zeit unmöglich. Die Forscherinnen und Forscher müssen umplanen, befristet angestellte Personen in der Qualifizierungsphase brauchen weitere Unterstützung.

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow hat sich bei einem Besuch im GWZO zu den konkreten Problemen informiert, die rein humanitär, aber auch wissenschaftlich zu bewältigen sind. Er sagte:

»Hier braucht es langfristig Möglichkeiten um weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern helfen zu können, die jetzt kriegsbedingt um ihre Arbeit oder sogar um ihre Existenz fürchten müssen. Ich werde dazu in Austausch mit dem Bundesforschungsministerium und auch der Leibniz-Gemeinschaft treten. Die Besonderheiten der fachspezifischen Betroffenheit der Osteuropa-Institute müssen sich im Rahmen der Wissenschaftsbrücke, wie sie von der Wissenschaftsseite der Kultusministerkonferenz verabredet wurde, wiederfinden. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des GWZO bin ich, genauso wie den vielen Menschen in den anderen sächsischen Forschungseinrichtungen, sehr dankbar für ihre konkrete Hilfestellung und das große Engagement für die kriegsbedingt in Not geratenen Wissenschaftlerrinnen und Wissenschaftler.«

Die Direktorin des GWZO Frau Prof. Maren Röger:
»Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass der Krieg in der Ukraine sehr viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwingt, ins Exil zu gehen. Die kulturelle und wissenschaftliche Expertise dieser Menschen ist von grundlegender Bedeutung für das Selbstverständnis und die Werte ganz Europas. Der Fokus der Wahrnehmung hatte sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs von Osteuropa auf andere Regionen der Welt verlagert. Dennoch ist die Forschungsarbeit hier kontinuierlich weiterentwickelt worden und hat dank der engen Kooperation mit Partnerorganisationen wichtiges Wissen von historischen Zusammenhängen hervorgebracht, das es gerade jetzt auch zu vermitteln gilt. Hierfür sind wir im GWZO bereit, weitere breitenwirksame Bildungsformate anzubieten.«

Zum: GWZO
Das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) hat die Region zwischen Ostsee, Schwarzem Meer und Adria im Forschungsfokus. Gegenstand der Recherche von der Spätantike bis heute sind Eigenheiten, Wandlungen und Wechselbeziehungen in einer immer globaleren Welt. Grundlegendes Tiefenwissen zum östlichen Europa entsteht, wenn Experten und Expertinnen aus unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen und Wissenschaftskulturen zusammenkommen. Die Fachwelt und die Öffentlichkeit werden über die Forschungsergebnisse mit Fach- und Sachbüchern, Ausstellungen, Veranstaltungen und digitalen Wissensressourcen informiert und tragen zum besseren Verständnis vergangener und aktueller Entwicklungen im östlichen Europa bei.


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