Radschutzstreifen außerorts erstmals in Sachsen im Rahmen eines Verkehrsversuches erprobt
31.08.2026, 09:15 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Neue Verkehrsführung zwischen Merkwitz und Seegeritz
Radschutzstreifen sind als Verkehrsführung vor allem in Städten bei räumlich beengten Verhältnissen eine Alternative zu baulich abgetrennten Radwegen. In einem auf Initiative der Stadt Taucha angeregten Verkehrsversuch erfolgt nun erstmals in Sachsen eine Markierung von Radschutzstreifen im außerörtlichen Bereich. Abstimmungen zwischen der Stadt und den zuständigen Verkehrsbehörden haben den Weg hierfür geebnet. Fachlich unterstützt wird die Stadt Taucha von der LISt GmbH im Rahmen des ALRad-Vorhabens des Freistaates Sachsen. Das ALRad-Vorhaben legt den Fokus auf alternative Radweglösung.
Die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Merkwitz und Seegeritz wurde bereits im vergangenen Jahr saniert und verbreitert. Vorgesehen war auch die Errichtung eines baulichen straßenbegleitenden Radwegs. Um diesen bemüht sich die Gemeinde bereits seit Jahren, scheiterte bisher jedoch an Fragen des Grunderwerbs. Um dennoch ein attraktives Angebot für den Radverkehr zu schaffen, erfolgt nun die Markierung von Schutzstreifen auf der Strecke im Rahmen des auf zweieinhalb Jahre angelegten Verkehrsversuches.
Der Verkehrsversuch sieht beidseitige Schutzstreifen für den Radverkehr mit jeweils zwei Metern Breite und eine schmale Kernfahrbahn für den motorisierten Verkehr vor. Um die Verkehrssicherheit bei der zunächst ungewohnten Verkehrsführung zu gewährleisten, beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 50 km/h pro Stunde. Zusätzlich sollen rot markierte Bereiche an den Ortseingängen eine besondere »Torsituation« schaffen. Infotafel sensibilisieren die Verkehrsteilnehmenden für den Verkehrsversuch und das vorgesehene Verkehrsverhalten.
Aufgrund der schmalen Kernfahrbahn dürfen die Schutzstreifen im Falle einer Begegnung von Kfz befahren werden. Befinden sich gleichzeitig Radfahrende im Bereich, müssen sich Kfz in diesem Fall hinter den Radfahrenden einordnen. Das Modell orientiert sich an typischen Verkehrsführungen in den Niederlanden. Diese sind dort bereits seit langer Zeit üblich und erfolgreich. Aber auch in anderen Bundesländern werden Schutzstreifen außerorts bereits erfolgreich angewendet.
Ziel des Verkehrsversuchs ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich beidseitige Schutzstreifen mit schmaler Kernfahrbahnbreite für den Radverkehr auf die Verkehrssicherheit, den Verkehrsablauf und die Akzeptanz bei den verschiedenen Verkehrsteilnehmenden auswirkt.
»Wir wollen hier nicht am Schreibtisch entscheiden, sondern ganz praktisch ausprobieren, ob ein Schutzstreifen die Situation für Radfahrerinnen und Radfahrer zwischen Merkwitz und Seegeritz tatsächlich verbessert. Dass dieser Verkehrsversuch in dieser Form einmalig in Sachsen ist und wissenschaftlich begleitet wird, macht ihn für uns besonders spannend. Entscheidend ist aber auch, was die Menschen erleben, die diese Strecke täglich nutzen,« erklärt Tobias Meier, Bürgermeister der Stadt Taucha.
Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation
Im Mittelpunkt der umfassenden Bewertung des Verkehrsversuchs steht die Frage, ob sich die Verkehrssicherheit und die Akzeptanz für den Radverkehr verbessert. Darüber hinaus werden Veränderungen beim Geschwindigkeitsniveau des Kraftfahrzeugverkehrs sowie das Begegnungs- und Überholverhalten untersucht. Mittels einer Befragung sollen unterschiedliche Perspektiven auf die Verkehrssituation vor und nach der veränderten Gestaltung erfasst werden. Ziel ist eine breite Beteiligung, um möglichst viele Erfahrungen und Einschätzungen aus der Bevölkerung in die Untersuchung einfließen zu lassen.
Auch Schülerinnen und Schüler der Stadt Taucha werden in die Untersuchung einbezogen. Ein speziell entwickelter Fragebogen erfasst, wie häufig sie die Strecke mit dem Fahrrad nutzen, welche Probleme sie dabei wahrnehmen und aus welchen Gründen sie die Straße gegebenenfalls nicht mit dem Fahrrad befahren.
Mit dem Verkehrsversuch soll belastbar untersucht werden, wie eine alternative Verkehrsführung mit Schutzstreifen auf einer außerörtlichen Strecke funktioniert und welche Auswirkungen sich auf Sicherheit, Verkehrsablauf und Akzeptanz ergeben.