Kunst-am-Bau-Wettbewerb für den Neubau des Zentralen Sächsischen Bohrkern- und Probenarchivs
01.09.2026, 09:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Der Freistaat Sachsen, vertreten durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), Niederlassung Chemnitz, führte im Rahmen der Baumaßnahme für den Neubau des Zentralen Sächsischen Bohrkern- und Probenarchivs in Freital einen nicht offenen Kunst-am-Bau-Wettbewerb durch.
Aus den über 40 vorgeschlagenen Künstlerinnen und Künstlern wurden sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Sachsen, Deutschland, Österreich und Südostasien zur Beteiligung am Wettbewerb ausgewählt. Die Jury bestand aus zwei Vertretern des Landesamtes für Umwelt Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und der TU Bergakademie Freiberg, jeweils einem Vertreter des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus (SMWKT), des SIB und des Architekturbüros RBZ Generalplanungsgesellschaft sowie zwei Künstlerinnen vom Landesverband Bildende Kunst Sachsen e. V.
Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler setzten sich im Rahmen der Wettbewerbsaufgabe mit der künstlerischen Gestaltung und Ausstattung der zentralen Wandscheibe des Eingangsbereiches auseinander. Der Freistaat stellt für die Realisierung der künstlerischen Idee 70.000 Euro zur Verfügung und fördert auf diese Weise zeitgenössische Bildende Kunst in Sachsen.
Die Preisgerichtssitzung fand unter dem Vorsitz von Frau Kerstin Franke-Gneuß aus Leipzig (Landesverband Bildende Kunst Sachsen e. V.) statt. Aus den sieben eingegangenen Arbeiten wurde das Werk Insight/Einsicht der Künstlerin Franziska Möbius aus Leipzig als Sieger ausgewählt und von der Jury zur Realisierung empfohlen.
Der Siegerentwurf integriert eine transluzente, mehrfarbige Glassäule aus einzelnen Gussglaszylindern in die Wandscheibe und lässt gebrochenes Licht in das Innere des Gebäudes.
Die Künstlerin schreibt selbst zu ihrer Arbeit: »Eine senkrechte Glassäule durchbricht die vorgesetzte Wandscheibe. Etwa zwei Drittel ihrer Tiefe liegen im Wandkörper verborgen, ein Drittel tritt als plastisches Relief hervor. Durch eine nach innen gerichtete Öffnung erhält die Säule Licht von beiden Seiten und wirkt nahezu gleichmäßig durchleuchtet. Die Installation verweist auf die hyperspektrale Bildgebung, bei der Bohrkerne mittels spezieller Durchleuchtung analysiert und ihre inneren Strukturen sichtbar gemacht werden. Zugleich greift sie das Prinzip des Archivs auf: Die Lagerung und Bewahrung von Bohrkernen als verdichtete Zeit, als materielles Gedächtnis, das wissenschaftliche Erkenntnisse und zukünftige Szenarien ermöglicht.”
Die Bewertung der Jury, welche zur Prämierung der Arbeit führte, wird wie folgt wiedergegeben: »Die Arbeit überzeugt mit einer klaren und zugleich sinnlichen Ausstrahlung. Die gläserne Säule erinnert an einen Bohrkern, aber mit einer ganz eigenen Ästhetik. Das Leuchten, das darin erscheint, ist zugleich eine Bekräftigung und eine Umkehrung der Festigkeit des Gesteins. Rätsel und Erkenntnis bedingen einander bei der Arbeit der Forschenden.
Diese Arbeit kann von beiden Seiten her und unter unterschiedlichen Lichtverhältnissen immer wieder neu wirken. Sie setzt einen starken, lebendigen Farb- und Materialakzent zu der Strenge des Bauwerks und betont dabei die asymmetrische Form der Wandscheibe. Sie wirkt künstlerisch und technisch überzeugend, auch in der absehbaren Langzeitwirkung. Auch von weitem wirkt sie attraktiv. Transluzenz und Transzendenz steigern sich gegenseitig.«
Die Realisierung des Kunstwerkes erfolgt im Zuge der Fertigstellung der Baumaßnahme bis 2027.
Ausstellung
Alle eingereichten Arbeiten können im Rahmen einer Ausstellung im Zeitraum vom 07.09.2026, 12 Uhr bis 18.09.2026, 16 Uhr an der folgenden Adresse besichtigt werden:
Schloss Freudenstein, terra mineralia, Lila Foyer
Schlossplatz 4, 09599 Freiberg
Die terra mineralia ist Dienstag bis Freitag, 10–17 Uhr und Samstag, Sonntag, feiertags 10–18 Uhr geöffnet.