SMWA stellt Gelder für Hitzeschutzmaßnahmen bereit
11.08.2026, 10:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Minister Panter: »Trinkbrunnen, Schattenspender und Regenwassermanagement helfen ganz konkret«
In Sachsen wird es zunehmend heißer. Tage mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad nehmen zu, gleichzeitig wird Wasser knapper. Besonders in dicht bebauten Städten und Gemeinden heizen sich versiegelte Straßen, Plätze und Gebäude auf. Von der zunehmenden Hitze sind alle Menschen betroffen, besonders stark belastet werden jedoch Ältere, Kinder und kranke Menschen, für die hohe Temperaturen zur Gefahr werden können. Allein in diesem Jahr sind – laut Robert Koch Institut – bereits über 12.000 Hitzetote in Deutschland zu beklagen.
Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SMWA) hilft deshalb direkt mit Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels: Auch wenn wir um die knappen kommunalen Finanzen wissen, Kommunen und weitere Antragsberechtigte sollten jetzt die Möglichkeit nutzen und so viele Fördermittel wie möglich beantragen.
Klimaschutzminister Dirk Panter: »Hitzeschutz und Klimaanpassung sind kein Nischenthema, sondern eine wichtige Zukunftsaufgabe für unsere Städte, Gemeinden und Wirtschaftsstandorte. Und sie sind aktiver Gesundheitsschutz! Wer heute plant und investiert, schützt die Menschen vor Ort und erhöht zugleich die Lebensqualität.« Dies sei keine Aufgabe für ein Bundesland oder eine Kommune allein. Diese Aufgabe sei nur gemeinsam zu bewältigen - Kommunen, Länder und Bund. »Wir im SMWA stellen bereits Fördermittel für konkrete Hitzeschutz-Projekte bereit. Damit können vor Ort spürbare Verbesserungen umgesetzt werden – zum Beispiel schattige Plätze, begrünte Dächer, Trinkbrunnen oder Anlagen, die Regenwasser speichern und bei Bedarf schnell wieder nutzbar machen. Hohe Fördersätze treffen allerdings auf finanzielle Probleme in vielen sächsischen Kommunen. Ich appelliere trotzdem an die Kommunen und alle anderen Antragsberechtigten, jetzt aktiv zu werden und die Fördermöglichkeiten so gut als irgend möglich zu nutzen.«
Bis zu 80 Prozent Förderung
Im Rahmen der EU-Förderrichtlinie Energie und Klima unterstützt das SMWA sowohl die Vorbereitung als auch die Umsetzung von Maßnahmen zur Klimaanpassung. Die Stadt Leipzig nutzt beispielsweise rund 144.000 Euro Förderung, um die Stadtklimaanalyse fortzuschreiben; in Freital erhält der Außenbereich der Kita »Kinderland am Wiesenhang« Begrünung und Sonnensegel zur Verschattung, eine verbesserte Versickerungsfähigkeit des Bodens und Regenwasserrückhalt für rund 180.000 Euro.
Die Antragstellung wurde stark vereinfacht, damit mehr Vorhaben schneller auf den Weg gebracht werden können. Je nach Maßnahme sind Fördersätze von bis zu 80 Prozent möglich
Gefördert werden unter anderem:
- Schutz vor Hitze an Gebäuden, etwa durch Außenverschattungen, begrünte Dächer oder andere Maßnahmen zur natürlichen Kühlung;
- Trinkbrunnen und schattenspendende Bereiche, die öffentliche Plätze, Schulhöfe, Spielplätze oder Einrichtungen für ältere Menschen bei Hitze entlasten können;
- Regenwassermanagement, zum Beispiel durch Zisternen, Versickerungsanlagen oder andere Lösungen, die Wasser zurückhalten und nutzbar machen
- Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen und Bodenerosion
- vorbereitende Konzepte und Planungen, die konkrete Klimaanpassungsmaßnahmen vor Ort ermöglichen.
Antragsberechtigt sind insbesondere Kommunen und kommunale Unternehmen, kleine und mittlere Unternehmen, gemeinnützige Organisationen, Vereine, Stiftungen, Genossenschaften, anerkannte Religionsgemeinschaften sowie Privatpersonen.
Die Anträge können über das Förderportal der Sächsischen Aufbaubank (SAB) im Modul 4 der »Förderrichtlinie Energie und Klima 2023« gestellt werden.
Auch die Träger von voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen können unter diesen Voraussetzungen Anträge für die Förderung von baulichem Hitzeschutz stellen. Gesundheitsministerin Petra Köpping: »Hitze ist belastend, gerade für kranke oder ältere Menschen. Ich empfehle allen Trägern von Gesundheitseinrichtungen, Hitze ernst zu nehmen. Angemessene Schutzmaßnahmen sind wichtig und müssen mitgedacht werden. Das ist kein Luxus. Fördermöglichkeiten gibt es, aber sie sind offenbar bei den Einrichtungen noch nicht ausreichend bekannt. Pflegeeinrichtungen sollten diese Fördermöglichkeit im Rahmen der Förderrichtlinie Energie und Klima 2023 nutzen. Wir haben die entsprechenden Verbände bereits über die Fördermöglichkeiten informiert. In diesem Zusammenhang verschaffen wir uns derzeit einen Überblick über die Hitzeschutzplanung und die Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen. Eine entsprechende Umfrage läuft. Im Mittelpunkt der Umfrage steht der Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner vor den Auswirkungen von Hitze.«
Im Rahmen der Förderrichtlinie wurden bereits 55 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 10,6 Millionen Euro bewilligt. Derzeit stehen noch rund 17 Millionen Euro für weitere Vorhaben zur Verfügung.
Aktuell werden 18 Anträge mit einer beantragten Fördersumme von insgesamt rund 4,5 Millionen Euro geprüft. Sollten alle beantragten Projekte bewilligt werden, verblieben anschließend noch rund 12,5 Millionen Euro im Fördertopf.
Hintergrund:
Vor allem in Städten verstärkt der sogenannte Wärmeinseleffekt die Belastung durch hohe Temperaturen. Asphalt und Beton speichern die Wärme des Tages und geben sie auch nachts nur langsam wieder ab. Begrünte Flächen, Bäume, Verschattungen und gespeichertes Regenwasser können dazu beitragen, die Temperaturen vor Ort zu senken und die Aufenthaltsqualität zu verbessern.
Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigen die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte. Zwischen 1961 und 1990 wurden in Sachsen durchschnittlich fünf heiße Tage mit mindestens 30 Grad pro Jahr gezählt. Im Zeitraum von 2014 bis 2023 waren es bereits 13. In diesem Jahr wurden an vielen Orten schon mehr als 20 solcher Tage registriert.
Projektbeispiele
- in Pirna wird der Busbahnhof klimaresilient umgestaltet: Installation Trinkbrunnen, Verbesserte Bewässerung des Baumbestandes
- in Freital wird der Außenbereich der Kita »Kinderland am Wiesenhang« klimaresilient umgestaltet: Begrünungsmaßnahmen und Sonnensegel zur Verschattung, Verbesserung der Versickerungsfähigkeit des Bodens und Regenwasserrückhalt
- auch verschiedene Schulen gestalten die Außenbereiche um durch Begrünung, Entsiegelung, Regenwasserversickerung (z.B. Freie Montessorischule Huckepack Dresden)
- in Eibenstock wird im Rathaus baulicher Hitzeschutz (außen- und innenliegender Sonnenschutz an Fenstern) nachgerüstet, in Oberlungwitz an der Humboldt-Grundschule
- Die Gemeinde Lossatal baut auf dem Bauhofgelände eine Regenwassersammel- und -speicheranlage
- Colditz erstellt ein Handlungskonzept Klimaanpassung sowie Starkregenvorsorge, in Pirna wird das Umsetzungsmanagement für die bestehende Klimaanpassungsstrategie unterstützt, Leipzig schreibt seine Stadtklimaanalyse fort, Markleeberg erstellt ein integriertes Klimaanpassungskonzept