Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen setzen gemeinsames Zeichen für ein starkes Mitteldeutschland und verabschieden Erklärung zu Sozialreformen

30.07.2026, 12:41 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Merseburg (30. Juli 2026) - Die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Sven Schulze, Michael Kretschmer und Mario Voigt, haben sich heute am Geiseltalsee zu einem Strukturwandel-Gipfel getroffen. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und den Kommunen informierten sich die drei Regierungschefs über aktuelle Strukturwandelprojekte. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die wirtschaftliche Entwicklung, die Fachkräftesicherung, Innovationen und neue Wertschöpfung für die Region. Ziel ist es, den Strukturwandel weiter voranzubringen und die Chancen des Mitteldeutschen Reviers konsequent zu nutzen.

Erfolgsprojekte zeigen den Wandel der Region

An verschiedenen Stationen im Mitteldeutschen Revier machten sich die Ministerpräsidenten ein Bild davon, wie der Strukturwandel die Region bereits verändert. Sie informierten sich über den Bildungscampus Naumburg, der mit rund 45 Millionen Euro aus Mitteln des Just Transition Fund gefördert wird, das Mitteldeutsche Bildungszentrum Bitterfeld-Wolfen, das Unternehmen bei der Fachkräftesicherung unterstützt und neue Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote entwickelt, sowie das Forschungsprojekt »Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten« (DiP), das neue digitale Lösungen für eine nachhaltige Bioökonomie entwickelt.

In Leuna informierten sich die Ministerpräsidenten über den Bau der weltweit ersten Bioraffinerie von UPM Biochemicals. Hier entstehen aus nachhaltig gewonnener Laubholz-Biomasse biobasierte Chemikalien für eine klimafreundliche Industrie der Zukunft.

Die Stationen zeigen, wie der Strukturwandel Innovationen fördert, Unternehmen stärkt und den Menschen im Mitteldeutschen Revier neue Perspektiven eröffnet.

Der Geiseltalsee als Symbol des Strukturwandels

Der Geiseltalsee ist eines der sichtbarsten Beispiele für den gelungenen Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier. Wo früher Braunkohle gefördert wurde, ist einer der größten künstlichen Seen Deutschlands entstanden. Heute steht die Region für neue Chancen – als Tourismus- und Erholungsstandort, als Wirtschaftsraum und als lebenswerte Heimat. Der Geiseltalsee zeigt, wie sich eine Region mit gemeinsamen Anstrengungen erfolgreich neu entwickeln kann.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze: »Wenn ich heute durch das Mitteldeutsche Revier fahre, sehe ich, was möglich ist. Aus ehemaligen Tagebauen entstehen neue Unternehmen, moderne Arbeitsplätze und Perspektiven für junge Menschen. Genau das ist unser Ziel. Der Strukturwandel soll nicht auf dem Papier stattfinden, sondern im Alltag der Menschen ankommen. Ich bin überzeugt: Unsere Heimat hat alles, was sie für eine erfolgreiche Zukunft braucht.« Gemeinsam mit Sachsen und Thüringen wollen wir dafür sorgen, dass aus den Veränderungen dauerhaft neue Chancen für die Menschen vor Ort entstehen.«

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer: »Der Strukturwandel gelingt nur, wenn wir als Länder mit den Kommunen und dem Bund gemeinsam handeln und zwar dort, wo Zukunft wirklich entsteht: in unseren Regionen und mit den Menschen vor Ort. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben viele historische, kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen und eine gemeinsame Vorstellung von Zukunft. Wir bringen unsere Erfahrungen in den industriellen Wandel ein und schaffen so einen gemeinsamen Wettbewerbsvorteil. Dafür brauchen wir schnellere Entscheidungen, mehr Investitionen und verlässliche Rahmenbedingungen.«

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt: »Der Strukturwandel zeigt, was unsere Region leisten kann. Mitteldeutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten tiefgreifende Veränderungen bewältigt und daraus neue wirtschaftliche Stärke entwickelt. Diese Erfahrung wollen wir gemeinsam nutzen – um Innovationen voranzubringen, gute Arbeitsplätze zu schaffen und die Interessen Mitteldeutschlands mit einer starken Stimme in Berlin zu vertreten.«

Zudem haben die Ministerpräsidenten eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, in der sie Forderungen an den Bund formulieren. Ziel ist, die Lebenswirklichkeit und die Lebensleistung der Menschen im Osten stärker zu berücksichtigen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die anstehenden Sozialreformen. So sprechen sich die Ministerpräsidenten gegen die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren aus und fordern einen besonderen Vertrauensschutz für ostdeutsche Erwerbsbiografien. Sie verlangen, dass die geplante Kapitaldeckung die gesetzliche Rente nicht schwächt und die Frühstart-Rente zügig für alle Jahrgänge umgesetzt wird. In der Pflege fordern sie eine Begrenzung der Eigenanteile, eine stärkere Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Steuermitteln und eine Stärkung der häuslichen Pflege.


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