Geldwäsche geht uns alle an - Polizei informiert über Hintergründe, Maschen und Warnsignale

10.07.2026, 13:39 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

/
Neubau PD Görlitz (© PD Görlitz)

Neubau PD Görlitz (© PD Görlitz)

Medieninformation Polizeidirektion Görlitz Nr. 301/2026

Verantwortlich: Stefan Heiduck

Geldwäsche geht uns alle an - Polizei informiert über Hintergründe, Maschen und Warnsignale

Viele Menschen verbinden Geldwäsche mit organisierter Kriminalität, internationalen Banden oder Millionenbeträgen. Tatsächlich können jedoch auch ganz normale Bürgerinnen und Bürger – oftmals ohne es zu wissen – in Geldwäschehandlungen verwickelt werden. Die Polizei informiert deshalb über die Hintergründe und zeigt auf, wie man sich schützen kann.

Was ist Geldwäsche?

Geldwäsche bedeutet, aus Straftaten erlangte Gelder oder andere Wertgegenstände (Bargeld, Bankguthaben, Sparbücher, Schmuck, Kunstwerke, Kryptowährungen, Aktien etc.) in den legalen Wirtschaftskreislauf einzuschleusen und deren kriminelle Herkunft zu verschleiern.

Kriminelle erwirtschaften Geld beispielsweise durch Drogenhandel, Erpressung, Steuerhinterziehung, Betrug oder Cyberkriminalität und versuchen dessen inkriminierte Herkunft zu verschleiern. Ziel ist es, dass das Geld am Ende wie rechtmäßig erwirtschaftetes Vermögen aussieht. Man kann sich das als einen gestohlenen Gegenstand vorstellen, dessen Herkunft durch mehrfaches Weiterverkaufen verschleiert wird – nur dass es sich hierbei um Geld handelt.

Warum ist Geldwäsche so gefährlich?

Geldwäsche ist die Grundlage vieler weiterer schwerer Straftaten. Ohne die Möglichkeit, ihre Gewinne zu «waschen”, könnten kriminelle Organisationen ihre Geschäfte deutlich schwerer fortsetzen. Oft benötigen Täter dabei die Hilfe anderer Personen. Diese werden nicht selten durch geschickte Täuschung oder verlockende Angebote dazu gebracht, Geld weiterzuleiten oder ihr Bankkonto zur Verfügung zu stellen. Viele Betroffene erkennen zunächst gar nicht, dass sie Teil einer Straftat geworden sind. Aber, wer sein Konto anderen überlässt, macht sich möglicherweise zum Werkzeug von Betrügern und Geldwäschern.

So funktionieren die Täter

Kriminelle versuchen, die Spur des Geldes möglichst unübersichtlich zu machen.

Dazu wird das Geld beispielsweise

● über zahlreiche Bankkonten weitergeleitet,
● in Kryptowährungen umgewandelt,
● über Scheinfirmen verschoben,
● für den Kauf hochwertiger Gegenstände verwendet oder
● ins Ausland transferiert.

Je häufiger das Geld den Besitzer oder das Konto wechselt, desto schwieriger wird es für Ermittlungsbehörden, den ursprünglichen Straftaten zu folgen.

Beispiele aus dem Alltag

Anlagebetrug

Sie entdecken im Internet eine vermeintlich sichere Geldanlage mit außergewöhnlich hohen Renditen. Auch die Eröffnung eines neuen Kontos ist Teil der Betrugsmasche. Anfangs werden Ihnen steigende Gewinne angezeigt und möglicherweise ausgezahlt. Leiten Sie dieses Geld nun wegen geforderter Steuern, Gebühren oder weiterer Einzahlungen auf andere Konten weiter, waschen Sie das Geld für die Täter. Anlagebetrug und Geldwäsche gehen deshalb oft Hand in Hand.

Jobangebot als «Finanzagent”

Sie erhalten per E-Mail, Messenger oder über soziale Netzwerke ein Stellenangebot. Für wenig Arbeit und hohe Bezahlung sollen Sie lediglich Geld auf Ihrem Konto empfangen und an andere Personen weiterleiten.
Die Täter bezeichnen dies häufig als Zahlungsabwicklung oder Finanzmanagement. Tatsächlich handelt es sich in vielen Fällen um Geldwäsche. Das Geld stammt häufig aus Betrugsstraftaten.

Romance Scam (Liebesbetrug)

Nach einer längeren Internetbekanntschaft bittet die angebliche Partnerin oder der angebliche Partner um Hilfe. Sie sollen Geld empfangen, weiterleiten oder ein Konto für eine angebliche Notlage zur Verfügung stellen. Auch hierbei kann es sich um Geldwäsche handeln.

Falsche Online-Shops

Sie bestellen Waren bei einem kriminellen Online-Shop. Die Zahlung erfolgt auf ein privates Konto oder an ständig wechselnde Bankverbindungen. Das Geld verschwindet, die Ware wird nie geliefert und die Zahlung wird über weitere Konten verschoben.

Verkauf über Online-Kleinanzeigen

Sie verkaufen einen Artikel. Der Käufer überweist angeblich versehentlich einen deutlich höheren Betrag und bittet Sie, die Differenz an eine andere Person zurückzuüberweisen. Wenn die Zahlung an Sie aus einem Betrug stammt, so kann auch hier die Weiteleitung eine strafbare Geldwäsche darstellen.

Verschleierung in Kryptowährungen

Täter der beschriebenen Betrugsmaschen versuchen Bargeld, Bank- oder Paypal-Guthaben usw. in Bitcoin oder andere Kryptowährungen umzutauschen und an eine bestimmte Wallet-Adresse zu senden. Kryptowährungen werden häufig genutzt, um Geldströme international zu verschleiern. Werden Sie hierzu aufgefordert, seien Sie wachsam und kontaktieren Sie im Zweifelsfall die Polizei.

Auch wenn Sie für Geldtransfers an andere Personen einen Teil des Geldes behalten dürfen oder Sie gebeten werden, Geld über internationale Zahlungsdienste oder ausländische Konten weiterzuleiten, sollten die Alarmglocken läuten. Grenzüberschreitende Geldbewegungen erschweren häufig die Nachverfolgung der Geldflüsse.

Typische Warnsignale

Seien Sie besonders aufmerksam, wenn…

● außergewöhnlich hohe Gewinne oder Provisionen versprochen
werden,
● Sie Geld für unbekannte Personen empfangen oder weiterleiten
sollen
● private Bankkonten für geschäftliche Zahlungen genutzt werden
sollen
● Zahlungen über mehrere Konten oder Länder erfolgen
● ausschließlich Kryptowährungen verlangt werden
● Sie unter Zeitdruck gesetzt werden
● Geheimhaltung verlangt wird oder
● die Herkunft des Geldes nicht nachvollziehbar erklärt werden
kann.

Was sollten Sie tun?

Wenn Ihnen eine Geldtransaktion ungewöhnlich erscheint,

● führen Sie keine Überweisung für fremde Personen aus,
● stellen Sie Ihr Konto und die zugehörigen Zugangsdaten
niemandem zur Verfügung,
● hinterfragen Sie ungewöhnliche Zahlungswege,
● brechen Sie den Kontakt bei verdächtigen Angeboten ab,
● sichern Sie Nachrichten, Verträge und Zahlungsbelege und
● informieren Sie im Verdachtsfall Ihre Polizei und/oder Ihre Bank.

Polizei appelliert an die Bevölkerung

Kriminelle entwickeln ihre Betrugsmaschen ständig weiter. Besonders im Internet, über Messenger-Dienste oder soziale Netzwerke gelingt es ihnen immer wieder, Menschen für Geldwäsche zu missbrauchen.

Die Polizei rät:

Lassen Sie sich niemals dafür bezahlen, fremdes Geld über Ihr Konto an Unbekannte weiterzuleiten. Seriöse Arbeitgeber, Unternehmen oder Behörden werden Sie niemals auffordern, private Konten für geschäftliche Zahlungsabläufe zu nutzen. Wer Zweifel hat, sollte sich frühzeitig an die Polizei wenden. Ein gesundes Misstrauen kann der beste Schutz vor Geldwäsche und Betrug sein.


Kontakt

Polizeidirektion Görlitz

Pressesprecher Kai Siebenäuger
Telefon: +49 3581 468 2030
E-Mail: medien.pd-gr@polizei.sachsen.de
zurück zum Seitenanfang