Medieninformation: "Ausgrabung in der Dohnaischen Vorstadt von Pirna"

01.07.2026, 11:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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Drohnenaufnahme der Grabung (© Christof Schubert, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Drohnenaufnahme der Grabung

Drohnenaufnahme der Grabung (© Christof Schubert, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Drohnenaufnahme der Grabung

Drohnenaufnahme der Grabung
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Kieselsteinpflasterung aus der frühen Neuzeit (© Dr. Cornelia Rupp, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Kieselsteinpflasterung aus der frühen Neuzeit

Kieselsteinpflasterung aus der frühen Neuzeit (© Dr. Cornelia Rupp, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Kieselsteinpflasterung aus der frühen Neuzeit

Kieselsteinpflasterung aus der frühen Neuzeit
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Drohnenaufnahme der Grabung (© Christof Schubert, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Drohnenaufnahme der Grabung

Drohnenaufnahme der Grabung (© Christof Schubert, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Drohnenaufnahme der Grabung

Drohnenaufnahme der Grabung
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Kulturschichten im Profil (© Dr. Cornelia Rupp, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Kulturschichten im Profil und dem frühneuzeitlichen Pflaster

Kulturschichten im Profil (© Dr. Cornelia Rupp, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Kulturschichten im Profil und dem frühneuzeitlichen Pflaster

Kulturschichten im Profil und dem frühneuzeitlichen Pflaster

Pressetermin auf der archäologischen Ausgrabung im Vorfeld des Hotelneubaus »Zum Schwarzen Adler«

Am heutigen Tag fand ein Presserundgang auf der Ausgrabung in Pirna vor dem ehemaligen Dohnaischen Stadttor statt. Auf dem Grundstück ist ein Hotelneubau geplant, der die noch im Boden vorhandenen archäologischen Spuren zerstören würde.

Ansprechpartner (LfA):

  • Susanne Schöne M.A., wissenschaftliche Grabungsleiterin (LfA)
  • Dr. Ingo Kraft, Referatsleiter (LfA)
  • Dr. Rebecca Wegener, Leiterin der Abteilung II Archäologische Denkmalpflege (LfA)

Hintergrund

In Pirna entsteht mit der Investorengruppe »Zum Schwarzen Adler GmbH« ein neuer Hotelkomplex, der auf dem Gelände des Traditionshauses »Zum Schwarzer Adler« errichtet wird. Das ruinöse Vorgängergebäude des ehemaligen Hotels »Zum Schwarzen Adler« wurde bis auf eine historische Außenmauer abgerissen. Zwischen Abriss und Neubebauung untersucht das Landesamt für Archäologie Sachsen (LfA) die ca. 3000 m² große Fläche.
Das ist notwendig, denn das Baugrundstück liegt im archäologisch relevanten Bereich der Dohnaischen Vorstadt, einer historischen Vorstadt von Pirna. Unmittelbar vor dem Dohnaischen Tor, dem südlichen Stadttor der Stadtbefestigung, ist eine Ansiedlung bereits für das 14. Jahrhundert schriftlich bezeugt.
Siedeltätigkeit spielte sich im Mittelalter nicht ausschließlich innerhalb der befestigten Städte ab. Besonders in der unmittelbaren Umgebung der Stadttore entstanden Vorstädte, die zumeist den Namen der Stadttore trugen. Diese Vorstädte waren kriegerischen Auseinandersetzungen relativ schutzlos ausgeliefert. Typischerweise findet man in den Außenbezirken aber auch feuergefährliches- oder geruchsbelästigendes Gewerbe, für das in den engen Innenstädten kein Platz war. Somit ist es denkmalpflegerische Notwendigkeit, dieses unmittelbar vor dem ehemaligen Dohnaischen Tor gelegene Grundstück vor der Bebauung und der damit einhergehenden Zerstörung der Archäologie im Boden zu untersuchen.

Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik: ``"Für das Verständnis der spannenden Stadtgeschichte Pirnas ist es wichtig, auch die Vorstädte der historischen Altstadt zu untersuchen. Hier am Rand der Altstadt finden sich Quartiere, die immer in Zusammenhang mit der bürgerlich-städtischen Struktur gesehen werden müssen. Sie bieten die Chance, stadtgeschichtliche Überlieferungen mit dem konkreten Befund abzugleichen und gegebenenfalls zu korrigieren."``

Seit Mitte Mai ist ein kleines Team mit Wissenschaftlern, Technikern, Grabungsmitarbeitern und Freiwilligen vom LfA vor Ort.
Zunächst untersuchte man die Fläche entlang der Breiten Straße (ehemals Breite Gasse), der historisch wichtigen Nord-/Südachse von und zur befestigten Altstadt, die direkte Verlängerung des Dohnaischen Tores.
Erstmals erwähnt wird die Breite Gasse im Jahr 1338 als »platea contra sanctum Nicolaum«, also die Gasse gegen St. Nikolaus, mit der die Nikolaikirche (mehrfach zerstört, 1875 endgültig abgerissen) gemeint ist, zu der auch seit 1484 der städtische Hauptfriedhof gehörte. Kirche und Kirchhof lagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Grabungsgeländes. Das Patrozinium der Nikolaikirche gab in der älteren Forschung Anlass zu der Annahme, dass sich an der Breiten Straße eine Kaufmannssiedlung befunden habe, da Nikolaus als der Schutzheilige für Kaufleute und Händler gilt.
Bisher konnten aber weder bei vergangenen Ausgrabungen in der Breiten Straße 11/13 und 46 noch bei den aktuellen Untersuchungen Hinweise auf einen Markt oder eine Kaufmannssiedlung gefunden werden.

Bisherige Befunde

Unter der Bodenplatte des abgerissenen Hotels wurden Mauerreste aus Natursteinen und flächiges Kieselsteinpflaster freigelegt. Alles deutet darauf hin, dass unter der Kieselsteinpflasterung noch tiefere (Keller-) Einbauten liegen. Bei den Mauerresten handelt es sich wahrscheinlich um die Unter-/ Kellergeschosse von Gebäuden, die darüber in Fachwerkbauweise errichtet worden sind. Die Sandsteine der Mauern sind z.T. rötlich verfärbt, ein Hinweis darauf, dass sie hohen Temperaturen, wie sie bei einem Brandereignis entstehen, ausgesetzt waren. In historischen Quellen ist mehrfach überliefert, dass die Breite Straße durch Feuer zerstört wurde: Im Jahr 1488 ist die Straße komplett abgebrannt und im Dreißigjährigen Krieg ließ der Pirnaer Stadtkommandant die Dohnaische Vorstadt gänzlich abbrennen, um im April 1639 freies Schussfeld auf die anrückenden schwedischen Truppen zu haben.
Zwischen zwei Mauerresten wurde das verfüllte Erdreich bis auf den anstehemden Boden abgetragen. Dabei entstanden an den Seitenwänden Profile mit zahlreichen Kulturschichten. Eine Brandschicht enthielt Keramik aus dem 15. Jahrhundert, so dass es sich hier um die Spuren des überlieferten Brandereignisses aus dem Jahr 1488 handeln könnte. Massive Lehmschichten unterbrechen die Kulturschichten. Sie sind möglicherweise bei Überschwemmungen durch Hochwasser entstanden.
Ab dem 2. Juli konzentrieren sich die archäologischen Untersuchungen auf den hinteren Teil des Baugrundstückes Richtung Robert-Koch-Straße, während an der Frontseite zur Breiten Straße bereits die vorbereitenden Baumaßnahmen für den Hotelneubau beginnen. Besonders für das hintere Grundstück stellt sich die Frage nach der Nutzung des Geländes. Auf historischen Stadtplänen des beginnenden 18. Jahrhunderts ist im anschließenden Gelände der Breiten Straße eine Garten-/landwirtschaftliche Nutzung angedeutet.
Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass sich hier weitere Besiedlungsreste, aber auch Brunnen oder Latrinen befinden.
Mitte Juli enden die archäologischen Ausgrabungen und das komplette Grundstück wird für die Bebauung freigegeben.


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