Geschichte zum Tasten und Hören: Kaufhaus Schocken für blinde und sehbehinderte Menschen – Sachsens Archäologiemuseum erweitert taktilen Rundgang
18.06.2026, 07:45 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Der taktile Rundgang für blinde und sehbehinderte Menschen ist nun komplett: Im smac – kurz für Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz – können ab jetzt nicht nur die archäologische Dauerausstellung, sondern auch die Ausstellungsbereiche zur Geschichte des Kaufhauses Schocken wahrgenommen werden. Der Rundgang umfasst ein taktiles Bodenleitsystem, einen Audioguide mit insgesamt 23 Hörstationen sowie 34 3D- und 2D-Tastobjekte. Objektkennungen und Hörstationsnummern sind sowohl in Profil- als auch Punkt-(Braille-)schrift ertastbar.
Dr. Sabine Wolfram, Direktorin des smac:
»Nur wenige Museen in Deutschland nehmen Barrierefreiheit und Inklusion so ernst wie wir im smac. Zusammen mit einer Prüfgruppe blinder und sehbehinderter Menschen haben wir den taktilen Rundgang entwickelt. Gemeinsam haben wir ausgewählt, welche Exponate als Tastobjekte umgesetzt werden. Auch haben wir uns beraten lassen, wie die Orientierung über den Audioguide erfolgen sollte.
Begonnen haben wir mit der Umsetzung barrierefreier Maßnahmen im Jahr 2017 in unserer archäologischen Dauerausstellung. Sukzessive hat sich unser Angebot erweitert. Seit 2019 implementieren wir auch in nahezu jeder Sonderausstellung Texte in Gebärdensprache und Leichter Sprache und seit 2021 auch einen taktilen Rundgang. Unser Ziel, ein ‚Museum für Alle‘ zu sein, ist fast erreicht.«
Der taktile Rundgang in den Erkerausstellungen
Neben der Dauerausstellung zur Archäologie in Sachsen widmet das smac drei weitere Bereiche der bewegten deutsch-jüdischen Geschichte seines Museumsgebäudes, dem ehemaligen Kaufhaus Schocken. Da sich diese Bereiche hinter der Vorhangfassade entlang der Fensterbänder des Hauses befinden, bezeichnet das smac sie auch als Erkerausstellungen.
Erich Mendelsohn in der 1. Etage
Der berühmte Architekt entwarf und plante zwischen 1927 und 1929 das ikonische Kaufhaus in der Chemnitzer Innenstadt. Sieben der 17 Architekturmodelle stehen nun als 3D-Drucke auf angeschrägten Trägerplatten entlang des taktilen Bodenleitsystems, darunter der Einsteinturm in Potsdam, das 1960 abgerissene Schocken-Kaufhaus in Stuttgart und die Parksynagoge in Cleveland/Ohio. Sie illustrieren die künstlerische Entwicklung des Architekten. Neben dem Modell des Einsteinturms ertasten blinde und sehbehinderte Menschen auch eine Schellack-Schallplatte und das Reliefbild der Entwurfsskizze dieses Gebäudes. Der Audioguide erzählt zu dieser Station, dass Erich Mendelsohn bei der Arbeit gerne Kompositionen von Johann Sebastian Bach hörte, musikalisch wird dies unterlegt mit dessen Toccata D-Dur.
Kaufhauskonzern Schocken in der 2. Etage
Der Konzern mit Zentrale in Zwickau entwickelte sich von 1907 bis in die frühen 1930er Jahre zur viertgrößten Warenhauskette in Deutschland. Kennzeichnend für den Schocken-Konzern sind die modernen Ansätze der Personalführung, der Werbung und des Warensortiments.
Zu ertasten sind hier unter anderem das Architekturmodell des Chemnitzer Kaufhauses Schocken und eines originalen Fenstergriffs sowie eine taktile Karte des Freistaats Sachsen, auf der die weiteren Schocken-Warenhäuser verortet sind. Die Welt des Personals veranschaulicht die reliefierte Umsetzung des Fotos eines Verkaufstresens mit Verkäuferin. Abschließend geht eine Taststation mit Logos auf den zum Teil erzwungenen Wechsel der Firmenzugehörigkeit des Unternehmens zur Merkur AG, Konsum, HO, Centrum Warenhaus, Kaufhof und schließlich zum smac ein. Abschließend geht eine Taststation mit Logos auf den politisch und geschichtlich bedingten Wechsel der Firmenzugehörigkeit des Unternehmens zur Merkur AG, Konsum, HO, Centrum Warenhaus, Kaufhof und schließlich zum smac ein.
Salman Schocken in der 3. Etage
Der Kaufmann und Mitbegründer des Schocken-Konzerns wird in diesem Ausstellungsbereich als leidenschaftlicher Sammler von Büchern und als Verleger deutscher und jüdischer Literatur vorgestellt.
Ertastbar ist hier zum Beispiel die Unterschrift von Salman Schockens Lieblingsautor Johann Wolfgang von Goethe, seine Lebensstationen bis 1934 und eine Karte von Palästina, wohin er 1934 auswanderte. In Jerusalem ließ er von Erich Mendelsohn die Schocken Bibliothek erbauen, die als 3D-Druck im Rundgang integriert ist.
In Palästina widmete sich Schocken explizit der Typografie. Er ließ die Schocken-Baruch-Schrift entwickeln, eine moderne hebräische Letter. Deren Design kann am Ende des Ausstellungsbereichs ertastet werden.
Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen
Ab seinen beiden Eingängen ist das smac vollumfänglich mit einem taktilen Bodenleitsystem versehen. Es führt zur Kasse, wo man seinen Audioguide erhält, dann zu den Fahrstühlen, zu taktilen Übersichtsplänen und von dort aus durch die Ausstellungen.
Abzweig- und Aufmerksamkeitsfelder mit dichten Noppen im Bodenleitsystem zeigen einen Richtungswechsel an und machen auf Taststationen aufmerksam.
Die speziellen Audioguidegeräte – sogenannte Simple-Guides – haben mittig im Nummernfeld einen Orientierungsnoppen, der die Eingabe der Stationsnummern erleichtert. Die Hörspur erläutert nicht nur stimmungsvoll mit Zitaten und untermalender Musik die Ausstellung, sondern gibt auch Hinweise zur Laufrichtung und zur Anzahl der Taststationen.
Weiterführende Links
Kontakt
Landesamt für Archäologie Sachsen
Pressesprecherin Dr. Cornelia RuppTelefon: +49 351 8926 603E-Mail: info@lfa.sachsen.deDownloads
- Taststation zum Architekten Erich Mendelsohn (JPG; 1 MB)
- Hebräische Lettern (JPG; 700 kB)
- Tastmodell von Salman Schockens Villa (JPG; 2 MB)
- Tastmodell einer Synagoge in den USA (JPG; 2 MB)
- 2D-Tastbild (JPG; 900 kB)
- Johann Wolfgang von Goethe (JPG; 700 kB)
- Pressemitteilung des smac mit Übersicht der Pressebilder (PDF; 200 kB)
- Diese Medieninformation im PDF-Format