Geschichte zum Tasten und Hören: Kaufhaus Schocken für blinde und sehbehinderte Menschen – Sachsens Archäologiemuseum erweitert taktilen Rundgang

18.06.2026, 07:45 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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Johann Wolfgang von Goethe (© LfA Sachsen/smac, Laura Frenzel)

Die Unterschrift von Salman Schockens Lieblingsautor in 2D: Johann Wolfgang von Goehte.

Johann Wolfgang von Goethe (© LfA Sachsen/smac, Laura Frenzel)

Die Unterschrift von Salman Schockens Lieblingsautor in 2D: Johann Wolfgang von Goehte.

Die Unterschrift von Salman Schockens Lieblingsautor in 2D: Johann Wolfgang von Goehte.
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2D-Tastbild (© LfA Sachsen/smac, Annelie Blasko)

Die 2D-Relief-Umsetzung eines Verkaufstresens erfolgte nach einer alten Fotografie aus dem Kaufhaus Schocken.

2D-Tastbild (© LfA Sachsen/smac, Annelie Blasko)

Die 2D-Relief-Umsetzung eines Verkaufstresens erfolgte nach einer alten Fotografie aus dem Kaufhaus Schocken.

Die 2D-Relief-Umsetzung eines Verkaufstresens erfolgte nach einer alten Fotografie aus dem Kaufhaus Schocken.
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Tastmodell einer Synagoge in den USA (© LfA Sachsen/smac, Jutta Boehme)

Erich Mendelsohns erstes Projekt in den USA: die 1952 eröffnete Parksynagoge in Cleveland/Ohio. Er zeichnete für den Entwurf, den Bau und die Ausstattung verantwortlich.

Tastmodell einer Synagoge in den USA (© LfA Sachsen/smac, Jutta Boehme)

Erich Mendelsohns erstes Projekt in den USA: die 1952 eröffnete Parksynagoge in Cleveland/Ohio. Er zeichnete für den Entwurf, den Bau und die Ausstattung verantwortlich.

Erich Mendelsohns erstes Projekt in den USA: die 1952 eröffnete Parksynagoge in Cleveland/Ohio. Er zeichnete für den Entwurf, den Bau und die Ausstattung verantwortlich.
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Tastmodell von Salman Schockens Villa (© LfA Sachsen/smac, Jutta Boehme)

Die Schocken-Villa in Jerusalem ist nach den Plänen von Erich Mendelsohn erbaut. Vorne das Tastmodell, in der Vitrine dahinter das Architekturmodell im Maßstab 1:50.

Tastmodell von Salman Schockens Villa (© LfA Sachsen/smac, Jutta Boehme)

Die Schocken-Villa in Jerusalem ist nach den Plänen von Erich Mendelsohn erbaut. Vorne das Tastmodell, in der Vitrine dahinter das Architekturmodell im Maßstab 1:50.

Die Schocken-Villa in Jerusalem ist nach den Plänen von Erich Mendelsohn erbaut. Vorne das Tastmodell, in der Vitrine dahinter das Architekturmodell im Maßstab 1:50.
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Hebräische Lettern (© LfA Sachsen/smac, Laura Frenzel)

Im palästinensischen Exil gab Salman Schocken eine moderne Typographie der hebräischen Buchstaben bei Franziska Baruch in Auftrag.

Hebräische Lettern (© LfA Sachsen/smac, Laura Frenzel)

Im palästinensischen Exil gab Salman Schocken eine moderne Typographie der hebräischen Buchstaben bei Franziska Baruch in Auftrag.

Im palästinensischen Exil gab Salman Schocken eine moderne Typographie der hebräischen Buchstaben bei Franziska Baruch in Auftrag.
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Taststation zum Architekten Erich Mendelsohn (© LfA Sachsen/smac, Annelie Blasko)

Schellack-Schallplatte, reliefierte Entwurfsskizze und das Tastmodell des Einsteinturms: Der Architekt Erich Mendelsohn hörte gerne Musik bei der Arbeit.

Taststation zum Architekten Erich Mendelsohn (© LfA Sachsen/smac, Annelie Blasko)

Schellack-Schallplatte, reliefierte Entwurfsskizze und das Tastmodell des Einsteinturms: Der Architekt Erich Mendelsohn hörte gerne Musik bei der Arbeit.

Schellack-Schallplatte, reliefierte Entwurfsskizze und das Tastmodell des Einsteinturms: Der Architekt Erich Mendelsohn hörte gerne Musik bei der Arbeit.

Der taktile Rundgang für blinde und sehbehinderte Menschen ist nun komplett: Im smac – kurz für Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz – können ab jetzt nicht nur die archäologische Dauerausstellung, sondern auch die Ausstellungsbereiche zur Geschichte des Kaufhauses Schocken wahrgenommen werden. Der Rundgang umfasst ein taktiles Bodenleitsystem, einen Audioguide mit insgesamt 23 Hörstationen sowie 34 3D- und 2D-Tastobjekte. Objektkennungen und Hörstationsnummern sind sowohl in Profil- als auch Punkt-(Braille-)schrift ertastbar.

Dr. Sabine Wolfram, Direktorin des smac:

»Nur wenige Museen in Deutschland nehmen Barrierefreiheit und Inklusion so ernst wie wir im smac. Zusammen mit einer Prüfgruppe blinder und sehbehinderter Menschen haben wir den taktilen Rundgang entwickelt. Gemeinsam haben wir ausgewählt, welche Exponate als Tastobjekte umgesetzt werden. Auch haben wir uns beraten lassen, wie die Orientierung über den Audioguide erfolgen sollte.
Begonnen haben wir mit der Umsetzung barrierefreier Maßnahmen im Jahr 2017 in unserer archäologischen Dauerausstellung. Sukzessive hat sich unser Angebot erweitert. Seit 2019 implementieren wir auch in nahezu jeder Sonderausstellung Texte in Gebärdensprache und Leichter Sprache und seit 2021 auch einen taktilen Rundgang. Unser Ziel, ein ‚Museum für Alle‘ zu sein, ist fast erreicht.«

Der taktile Rundgang in den Erkerausstellungen

Neben der Dauerausstellung zur Archäologie in Sachsen widmet das smac drei weitere Bereiche der bewegten deutsch-jüdischen Geschichte seines Museumsgebäudes, dem ehemaligen Kaufhaus Schocken. Da sich diese Bereiche hinter der Vorhangfassade entlang der Fensterbänder des Hauses befinden, bezeichnet das smac sie auch als Erkerausstellungen.

Erich Mendelsohn in der 1. Etage

Der berühmte Architekt entwarf und plante zwischen 1927 und 1929 das ikonische Kaufhaus in der Chemnitzer Innenstadt. Sieben der 17 Architekturmodelle stehen nun als 3D-Drucke auf angeschrägten Trägerplatten entlang des taktilen Bodenleitsystems, darunter der Einsteinturm in Potsdam, das 1960 abgerissene Schocken-Kaufhaus in Stuttgart und die Parksynagoge in Cleveland/Ohio. Sie illustrieren die künstlerische Entwicklung des Architekten. Neben dem Modell des Einsteinturms ertasten blinde und sehbehinderte Menschen auch eine Schellack-Schallplatte und das Reliefbild der Entwurfsskizze dieses Gebäudes. Der Audioguide erzählt zu dieser Station, dass Erich Mendelsohn bei der Arbeit gerne Kompositionen von Johann Sebastian Bach hörte, musikalisch wird dies unterlegt mit dessen Toccata D-Dur.

Kaufhauskonzern Schocken in der 2. Etage

Der Konzern mit Zentrale in Zwickau entwickelte sich von 1907 bis in die frühen 1930er Jahre zur viertgrößten Warenhauskette in Deutschland. Kennzeichnend für den Schocken-Konzern sind die modernen Ansätze der Personalführung, der Werbung und des Warensortiments.
Zu ertasten sind hier unter anderem das Architekturmodell des Chemnitzer Kaufhauses Schocken und eines originalen Fenstergriffs sowie eine taktile Karte des Freistaats Sachsen, auf der die weiteren Schocken-Warenhäuser verortet sind. Die Welt des Personals veranschaulicht die reliefierte Umsetzung des Fotos eines Verkaufstresens mit Verkäuferin. Abschließend geht eine Taststation mit Logos auf den zum Teil erzwungenen Wechsel der Firmenzugehörigkeit des Unternehmens zur Merkur AG, Konsum, HO, Centrum Warenhaus, Kaufhof und schließlich zum smac ein. Abschließend geht eine Taststation mit Logos auf den politisch und geschichtlich bedingten Wechsel der Firmenzugehörigkeit des Unternehmens zur Merkur AG, Konsum, HO, Centrum Warenhaus, Kaufhof und schließlich zum smac ein.

Salman Schocken in der 3. Etage

Der Kaufmann und Mitbegründer des Schocken-Konzerns wird in diesem Ausstellungsbereich als leidenschaftlicher Sammler von Büchern und als Verleger deutscher und jüdischer Literatur vorgestellt.
Ertastbar ist hier zum Beispiel die Unterschrift von Salman Schockens Lieblingsautor Johann Wolfgang von Goethe, seine Lebensstationen bis 1934 und eine Karte von Palästina, wohin er 1934 auswanderte. In Jerusalem ließ er von Erich Mendelsohn die Schocken Bibliothek erbauen, die als 3D-Druck im Rundgang integriert ist.
In Palästina widmete sich Schocken explizit der Typografie. Er ließ die Schocken-Baruch-Schrift entwickeln, eine moderne hebräische Letter. Deren Design kann am Ende des Ausstellungsbereichs ertastet werden.

Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen

Ab seinen beiden Eingängen ist das smac vollumfänglich mit einem taktilen Bodenleitsystem versehen. Es führt zur Kasse, wo man seinen Audioguide erhält, dann zu den Fahrstühlen, zu taktilen Übersichtsplänen und von dort aus durch die Ausstellungen.
Abzweig- und Aufmerksamkeitsfelder mit dichten Noppen im Bodenleitsystem zeigen einen Richtungswechsel an und machen auf Taststationen aufmerksam.
Die speziellen Audioguidegeräte – sogenannte Simple-Guides – haben mittig im Nummernfeld einen Orientierungsnoppen, der die Eingabe der Stationsnummern erleichtert. Die Hörspur erläutert nicht nur stimmungsvoll mit Zitaten und untermalender Musik die Ausstellung, sondern gibt auch Hinweise zur Laufrichtung und zur Anzahl der Taststationen.


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